• Rezensionen

    Rezension | „Titanic“ (2012): Eigenwillig inszeniertes Katastrophendrama

    Im Jahr 2012, als sich der Untergang der Titanic zum hundertsten Mal jährte, kam nicht nur der berühmte Hollywoodfilm von 1997 erneut in die Kinos, es gab auch so einige neue Aufarbeitungen des Unglücks in Roman- und Serienform. Damals habe ich auch meinen Artikel zur Titanic geschrieben, den ihr lesen könnt, falls ihr euch über den historischen Hintergrund informieren möchtet, bevor ihr diesen Text hier lest. Eine Miniserie, die irgendwie an mir vorbeigegangen ist, ist nämlich „Titanic“ – und zwar die ITV-Serie. Darauf aufmerksam geworden bin ich erst vor ein paar Tagen, denn kein geringerer als Julian Fellowes, der an „Downton Abbey“ gearbeitet hat, hat die Serie geschrieben. „Titanic“ bringt…

  • Persönlichkeiten

    Queering History: Dr. James Barry, historische Queerness & wie wir damit umgehen

    Im Moment sorgt ein neues Romanprojekt der amerikanischen Autorin E.J. Levy für Furore. Leider nicht aus positiven Gründen, denn in ihrem Roman geht es um Dr. James Barry. Levy behaupet, Barry sei eine Frau gewesen, die sich als Mann ausgegeben hätte um den strengen Geschlechterrollen des viktorianischen Englands zu entgehen. Sie stellt ihren Roman, der im Publikumsverlag Little, Brown erscheinen soll, als eine Art feministisches Manifesto über die erste britische weibliche Ärztin dar. Doch das ist hochgradig problematisch, denn James Barry war ein trans Mann und Levys Herangehensweise ist Transphobie. Queere Geschichte, terf-Rhetorik und Erasure Was in der englischsprachigen Buchwelt im Moment für Furore sorgt, ist bei uns noch nicht…

  • Victoriana

    My Dear Watson? – Oscar Wilde, Sir Arthur Conan Doyle & die Sexualität des Sherlock Holmes

    Oh, Sherlock Holmes. Du und ich, das ist eine lange Geschichte und sie ist ein bisschen holprig. Ich bin, wie viele andere auch, mit Sherlock Holmes aufgewachsen. Als Kind habe ich die Granada-Filme mit Jeremy Brett gesehen, später dann selbst die Originalgeschichten des schottischen Autoren Sir Arthur Conan Doyle gelesen, dann natürlich die PC-Spiele, die Guy-Ritchie-Filme, nicht zuletzt BBC Sherlock. Ich war im Baker-Street-Museum in London und eine Weile lang beinahe besessen von Sherlock Holmes. Das hat sich mit der Zeit jedoch gelegt, denn das Sherlock-Revival der 2000er Jahre mit seinen unzähligen Neuerzählungen in Serien-, Film-, und Romanform hat mich müde gemacht. Geblieben ist jedoch die Faszination mit der Metaebene,…

  • Victoriana

    Von Opium & Tight-Lacing: 5 viktorianische Mythen

    Es gibt sie in allen Ausführungen, Formen und Farben: Mythen zum viktorianischen Zeitalter. Und, wie ihr vielleicht wisst, räume ich genau mit denen liebend gern auf. Das war meine Motivation hinter „Gaiety Girl“, ganz am Anfang, und ich mache es immer noch gern. Denn diese Mythen sind nicht etwa etwas, das nur von Laien weitergetragen wird. Sie begegnen uns unter anderem in doch ordentlich recherchierten Romanen und Filmen, manchmal sogar in Literatur von Historikern, aber eben doch am Allerhäufigsten im Internet. Die Sache ist die: Manche Mythen gibt es bereits so lange, dass sie schwer vom historischen Fakt zu unterscheiden sind. Auf manche bin ich auch selbst schon reingefallen, besonders…

  • Gesellschaftliches

    [Blogtour] Dare Not Speak Its Name – Queere Identität im historischen Roman

    Im historischen Roman sind LGBTQ-Figuren leider noch immer eine Seltenheit. Autoren wie Diana Gabaldon, Floortje Zwigtman und Jan Gillou machen zwar vor, dass es auch anders geht, doch für viele Autoren von Romanen mit historischem Setting scheint es noch undenkbar zu sein Figuren einzubauen, die wir heute der LGBTQ Community zuordnen würden. Im Rahmen von Meara Finnegans Blogtour mit dem Thema „Phantastische Realität“ (Nachtrag 2018: Das Blog ist leider mittlerweile offline, aber alle Stationen der Blogtour könnt ihr bei Elea Brandt noch nachlesen) möchte ich mich heute mit der Aufarbeitung queerer Geschichte im historischen Roman beschäftigen, sowie mit den historischen Hintergründen und warum es gerade im historischen Roman wichtig ist,…

  • Belle Époque

    Der Fall Gouffé – Ein Medienspektakel der Belle Époque

    Am 26. Juli 1889 wird der Gerichtsdiener Toussaint-Augustin Gouffé aus Montmartre vermisst gemeldet. Am 15. August desselben Jahres wird weit weg von Paris, in Vernaison bei Lyon, ein großer Stoffbeutel unter einem Busch am Straßenrand gefunden. Darin befindet sich die Leiche eines Mannes. Im November kann der Arzt Alexandre Lacassagne mithilfe von Haarproben und eines brandneuen forensischen Vorgehens mit Sicherheit feststellen, dass es sich bei dem Toten um den vermissten Gouffé handelt. Der Mann aus Paris wurde erdrosselt. Doch was ist passiert? Wer hat Gouffé ermordet und wie kam seine Leiche von Paris bis nach Lyon?

  • Persönlichkeiten

    Sarah Bernhardt – Die Königin der Bühne

    Um den 22. Oktober 1844 herum wird Sarah Bernhardt als Sara Marie Henriette Rosine Bernardt in Paris geboren. Noch weiß niemand, dass aus der kleinen Sara eine der bedeutensten Schauspielerinnen nicht nur der Belle Époque, sondern aller Zeiten werden wird. Sie ist die Tochter einer bekannten Pariser Kurtisane, wer ihr Vater ist, ist unbekannt.Sarahs Mutter, Julie Bernardt, schickt ihre Tochter als junges Mädchen auf eine Klosterschule in der Nähe von Versailles. Später wird Sarah im Conservatoire de Paris unterrichtet, einer Schule für Gesang, Schauspiel und Theater, bevor sie dem Staatstheater Comédie-Française beitritt. Hier hat sie 1862 im Alter von achtzehn Jahren ihren ersten richtigen Bühnenauftritt. Sie spielt die Hauptrolle in „Iphigénie“, einem…

  • Persönlichkeiten

    Effie Gray – Das Liebesdrama des Jahrhunderts

    Am zehnten April des Jahres 1848 heiratet John Ruskin, angesehener Kunstkritiker, Schriftsteller und Künstler des frühen viktorianischen Englands, die neun Jahre jüngere Euphemia Gray, die Tochter eines Freundes seiner Familie. Euphemia, kurz Effie, war keine Fremde für Ruskin. Tatsächlich schrieb er seinen Roman „Der König des Goldstroms“, ein Kunstmärchen, für die damals zwölfjährige Effie. Die Heirat aber war nicht Ruskins eigene Idee, sondern wurde den beiden von Familie und Freunden nahegelegt, da man durch die enge Bindung zwischen den beiden davon ausging, dass sie ein gutes Paar abgeben würden. Effie war an ihrem Hochzeitstag zwanzig Jahre alt, John Ruskin bereits neunundzwanzig. Inwieweit die beiden Partien glücklich mit der Entscheidung zu…

  • Mode

    Mode 1910: Zwischen Krieg & Korsett

    Die 1910er sind ein bewegtes Jahrzehnt. Sie beenden die Belle Époque, sie beenden das edwardianische Zeitalter, sie beenden das deutsche Kaiserreich und die Ära der Romanows in Russland. Der politische und gesellschaftliche Umbruch, auf den Europa schon seit einigen Jahrzehnten zuschlittert, kommt plötzlich und verändert innerhalb weniger Jahre die Welt komplett. Im Jahr 1912 sinkt die Titanic und reißt rund 1500 Menschen mit sich in die Tiefe. Zwei Jahre später wird in Sarajevo der österreichische Thronfolger erschossen. Der erste Weltkrieg beginnt und dauert von 1914 – 1918, ein Krieg, wie er vorher noch nie dagewesen war. 1916 leitet das Easter Rising die Unabhänigkeit Irlands von Westminster ein. 1917 beendet die Oktoberrevolution…

  • Gesellschaftliches

    Season’s Greetings: Ein viktorianisches Weihnachtsfest

    Heute ist Heilig Abend. Ich hoffe, dass ihr ein schönes Weihnachtsfest verbringt, mit allem, was dazu gehört, gutem Essen, schöner Musik und ein paar Geschenken. Auch allen Leser.innen, die kein Weihnachten feiern, möchte ich ein paar schöne Wintertage wünschen. Zündet ein paar Kerzen an und macht es euch gemütlich, mit einem schönen Buch oder dem Gaiety Girl. Heute möchte ich euch erzählen, wie die Viktorianer Weihnachten gefeiert haben. Denn viele der Weihnachtstraditionen, die wir heute noch pflegen, stammen aus dem neunzehnten Jahrhundert. Welche das sind, erfahrt ihr jetzt. Der Weihnachtsbaum – Von Deutschland in die weite Welt Für viele Menschen gehört der Weihnachtsbaum zum Weihnachtsfest einfach dazu. Er wird geschmückt…