• Victoriana

    My Dear Watson? – Oscar Wilde, Sir Arthur Conan Doyle & die Sexualität des Sherlock Holmes

    Oh, Sherlock Holmes. Du und ich, das ist eine lange Geschichte und sie ist ein bisschen holprig. Ich bin, wie viele andere auch, mit Sherlock Holmes aufgewachsen. Als Kind habe ich die Granada-Filme mit Jeremy Brett gesehen, später dann selbst die Originalgeschichten des schottischen Autoren Sir Arthur Conan Doyle gelesen, dann natürlich die PC-Spiele, die Guy-Ritchie-Filme, nicht zuletzt BBC Sherlock. Ich war im Baker-Street-Museum in London und eine Weile lang beinahe besessen von Sherlock Holmes. Das hat sich mit der Zeit jedoch gelegt, denn das Sherlock-Revival der 2000er Jahre mit seinen unzähligen Neuerzählungen in Serien-, Film-, und Romanform hat mich müde gemacht. Geblieben ist jedoch die Faszination mit der Metaebene,…

  • Victoriana

    Von Opium & Tight-Lacing: 5 viktorianische Mythen

    Es gibt sie in allen Ausführungen, Formen und Farben: Mythen zum viktorianischen Zeitalter. Und, wie ihr vielleicht wisst, räume ich genau mit denen liebend gern auf. Das war meine Motivation hinter „Gaiety Girl“, ganz am Anfang, und ich mache es immer noch gern. Denn diese Mythen sind nicht etwa etwas, das nur von Laien weitergetragen wird. Sie begegnen uns unter anderem in doch ordentlich recherchierten Romanen und Filmen, manchmal sogar in Literatur von Historikern, aber eben doch am Allerhäufigsten im Internet. Die Sache ist die: Manche Mythen gibt es bereits so lange, dass sie schwer vom historischen Fakt zu unterscheiden sind. Auf manche bin ich auch selbst schon reingefallen, besonders…

  • Victoriana

    Post Mortem – Viktorianische Totenbilder und wie man sie erkennt

    Leider ist Halloween mittlerweile rum und ich habe nicht die Zeit gefunden euch mit (auf den ersten Blick) makaberen oder sogar gruseligen Informationen zum viktorianischen Zeitalter zu versorgen wie letztes Jahr. Heute gibt es daher einen etwas düsteren Artikel, inspiriert von einem Artikel im Internet (Buzzeed is at it again), der mit so vielen Klischees und Unwahrheiten gespickt ist, dass ich euch gern näher bringen möchte, wie es wirklich aussah. Es geht um viktorianische Post-Mortem-Fotografie. Was das ist, habe ich nebenbei in anderen Artikeln schon erwähnt, doch einen richtigen Artikel zu diesem Phänomen gibt es noch nicht. Post-Mortem-Fotografie ist ein großteils viktorianisches Phänomen. Fotografien, die seit den 1840er Jahren in…

  • Victoriana

    Pteridomanie – Ein viktorianischer Trend

    „Eure Töchter vielleicht sind der vorherrschenden Pteridomanie verfallen und streiten über unaussprechliche Namen der Spezien (die in jedem neuen Farn-Buch, das sie kaufen, anders zu lauten scheinen) – und trotzdem könnt ihr nicht abstreiten, dass ihnen das gefällt, dass sie deswegen aktiver sind und fröhlicher, sich selbst öfter vergessen als über Romane, Tratsch, das Häkeln oder Stickwolle.“ Das schreibt Charles Kingsley 1855 in seinem Buch „Glaucus“ und gibt dem Kind einem Namen. Pteridomanie. Es gibt kaum einen Trend des viktorianischen Zeitalters, der bizarrer erscheint oder weniger nachvollziehbarer als die Liebe zu Farnen. Doch alles hat einen Grund und auch dieser Trend ist völlig erklärbar. Ins Grüne – Botanik im frühen…

  • Victoriana

    Barnums großer Coup – Die Meerjungfrau von Fiji

    Sie ist hässlich, mysteriös und angeblich eine richtige Meerjungfrau: 1822 kauft der Kapitän Samuel Barrett Edes von japanischen Seemännern für ein kleines Vermögen den mumifizierten Körper einer Meerjungfrau. Meerjungfrauen waren schon seit Jahrhunderten Bestandteil eines jeden guten Kuriositätenkabinetts, doch diese Meerjungfrau war anders: Sie hatte ein abscheuliches Gesicht, war viel kleiner als ein Mensch und – haarig. Edes stellte sie in seiner privaten Sammlung ab 1822 in London aus. Doch die große Berühmtheit der Meerjungfrau folgte erst zwanzig Jahre später – Samuel Barrett Edes vermachte die kuriose Mumie seinem Sohn, der sie an Moses Kimball verkaufte, der sie im Jahr 1842 mit nach New York nahm. Der Streich des Jahrzehnts…

  • Victoriana

    Vater Themse und der große Gestank

    In einem Ruderboot fährt der Tod über die völlig verschmutzte Themse und sammelt die Leben derjenigen ein, die nicht dafür bezahlen wollten, den Fluss säubern zu lassen. So stellt das Punch-Magazin eins der größten Probleme dar, die das viktorianische London zu bewältigen hatte: Sommer, 1858. Alles, was nicht mehr gewollt ist, landet in der Themse. Nicht nur Unrat und Waschwasser und das Kanalisationssystem mündeten in die Themse. Nein, auch die Fabriken leiten ihr Abwasser in den Fluss, Metzger entsorgen hier verdorbenes Fleisch, Knochen und unbrauchbare Reste, Färber nutzen die Themse als großes Auffangbecken und so manch ungewollter Verstorbener fand seine letzte Ruhestädte im Fluss von London. Allerdings ist das Flusswasser…

  • Victoriana

    Laudanum, Opium und Sherlock Holmes – Drogenmissbrauch im viktorianischen England

    [Content Warning: Drogenmissbrauch] Sherlock Holmes, der Held der berühmten Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle, war den Drogen nicht abgeneigt. Das ist ein allgemein bekannter Fakt, der in einigen modernen Adaptionen der Geschichte auch behandelt wird. In der Geschichte „The Sign of Four“ fragt Doctor John Watson den Meisterdetektiv sogar, ob er heute Morphin oder Kokain nehmen möchte. Holmes mag für unseren modernen Begriff harte Drogen genommen haben, um seinen Geist wach zu halten. Es gibt viele moderne Spekulationen darüber woher denn Sherlock Holmes solch illegale Drogen beschafft hat und ob am Ende Sir Arthur Conan Doyle selbst drogenabhängig war. Deshalb habe ich mich heute entschlossen, einen Artikel zu bringen,…

  • Victoriana

    Geld im viktorianischen England

    Heute soll es noch einmal um ein Thema gehen, dass sich jemand gewünscht hat: Die Währung und den Umgang mit Geld im viktorianischen England. Die englische Währung der viktorianischen Jahre war, genau wie heute auch noch, Pound Sterling, das berühmte englische Pfund. Doch es gab viel mehr Münzen als heute, schließlich geschah die Umstellung auf das Dezimalsystem erst 1971 und Geld sah auch noch etwas anders aus, als wir es heute gewohnt sind. Ich möchte euch heute nicht bloß die Währung des neunzehnten Jahrhunderts erklären, sondern auch ein wenig etwas zum Wert der Dinge erzählen. Was waren verschiedene Güter wert und wie viel kosteten Kleidung, Lebensmittel und andere notwendige Dinge?…

  • Victoriana

    Wer war Jack the Ripper?: Die ewige Frage

    Ein Artikel über Jack the Ripper war längst überfällig. Ich dachte eigentlich, zu ihm muss ich nichts schreiben, schließlich kennt jeder seine Geschichte, doch immer wieder stoße ich auf Leute mit sagen wir interessantem Halbwissen, denen der Name etwas sagt, aber nicht die Geschichte dahinter. Außerdem ist kein Blog, der das späte neunzehnte Jahrhundert in England behandelt, vollständig ohne den größten Kriminalfall des Jahrhunderts. Ich möchte aber nicht bloß nacherzählen. Mir geht es darum, einige Mythen und Klischees rund um das Thema Jack the Ripper aufzuklären und der Gruselgeschichte, die jeder kennt, den historischen Hintergrund zu geben. Der Name „Jack the Ripper“ zum Beispiel taucht in den Untersuchungsunterlagen des Falles…

  • Victoriana

    Geisterfotografie – Das Geschäft mit Tod und Trauer

    In den 1860er Jahren arbeitet ein gewisser William H. Mumler in Boston bei einem Juwelier als Graveur. In seiner Freizeit fotografiert er. Eines Nachmittages entwickelt er ein Selbstportrait, als er bemerkt, dass er nicht allein auf dem Bild ist. Im Hintergrund lungert ein weißer Schemen herum – das Abbild seines vor bereits zwölf Jahren verstorbenen Cousins. Mumler braucht nicht lang um zu verstehen, was passiert ist: Die Platte, die er für sein Portrait benutzt hat, ist doppelt belichtet worden. Eine völlig einleuchtende Erklärung, doch Mumler ahnt, dass nicht alle Menschen so viel über Fotografie wissen, wie er selbst. Er entdeckt eine Marktlücke. William kündigt seine Arbeit, beginnt als Medium zu…