• Persönlichkeiten

    Anastasia Romanowa – Ein russischer Mythos

    „Anastasia? Die kenne ich nur aus dem Film.“ So oder so ähnlich reagieren nicht wenige Leute auf den Namen der russischen Prinzessin, die nach ihrer Ermordung im Jahr 1918 zur Legende geworden ist. Nimmt man den Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1997 für das, was er ist – die romantisierte Geschichte einer Prinzessin auf der Suche nach ihrer Identität – bietet der Film tolle Bilder, schöne Lieder und eine romantische Geschichte. Schaut man sich die historischen Fakten genauer an, versteht man allerdings auch, weshalb viele Historiker.innen und auch einige Romanow-Nachkommen dem Film nicht viel abgewinnen können. Denn, dass er Fakten und Erwartungen an die russische Geschichte verdreht und teils vereinfacht, teils…

  • Mode

    Mode 1840: Vom Glockenrock zur Handtasche

    Die 1840er Jahre sind keine ruhige Zeit. In China enden die ersten beiden Opiumkriege mit der Übergabe Hong Kongs an die Briten, doch auch ansonsten bestimmen Auseinandersetzung und Revolution die Dekade: Die 1840er sind markiert durch die größte Revolutionswelle in der europäischen Geschichte und haben allesamt die Abschaffung des Feudalsystems und die Einführung von Demokratie und Gleichheit zum Ziel. Doch nicht nur Gewalt herrscht vor: In London eröffnet der erste Tunnel, der unterirdisch unter der Themse hindurchführt, der Planet Neptun wird von deutschen Astrologen entdeckt und die Daguerreotypie, eine in der vorangegangenen Dekade vorgestellte Fotografietechnik, bürgert sich ein. Das erste elektrische Telegramm wird versendet und Ada Lovelace schreibt das erste…

  • Gesellschaftliches

    Titanic – 100 Jahre Mythos

    Vor knapp zwei Monaten hat sich der Untergang der sagenumwobenen Titanic zum hundertsten Mal gejährt. In Gedenken an das größte Unglück auf See wurde der berühmte James-Cameron-Film von 1997 erneut in den Kinos gezeigt, mehrere historische Romane und Sachliteratur zum Thema erschienen und generell wurde der Untergang der RMS Titanic in den Medien stark thematisiert. Obwohl der hundertste Jahrestag des Titanicuntergangs nun schon wieder ein paar Wochen her ist, möchte ich auch auf Gaiety Girl Anteil nehmen, indem ich die Geschichte des Schiffs der 1000 Träume erläutere und ein paar Mythen aufkläre. Gleichzeitig möchte ich versuchen euch näher zu bringen, weshalb der Untergang der Titanic ein so einschneidendes Ereignis ist…

  • Mode

    Mode 1830: Der Weg in die Romantik

    Viele von euch kommen über Google auf dieses Blog und zwar wird in allen möglichen Variationen nach viktorianischer Mode gesucht. Obwohl ich absolut vernarrt in die Trends des viktorianischen Zeitalters bin, findet man hier bisher allerdings bloß ein paar Artikel zu einzelnen Kleidungsstücken. Das ist schade, finde ich. Den Leuten, die extra das Blog anklicken, weil sie etwas über viktorianische Mode lernen wollen, wird hier gar nichts geboten. Das soll sich aber ab heute ändern. Ich will in den nächsten Monaten meine Rubrik zur viktorianischen Mode  etwas ausstaffieren. Queen Victoria herrschte ganze 64 Jahre lang und sah viele Modetrends kommen und gehen. Und mit denen will ich mich auch befassen.…

  • Gesellschaftliches

    Der Alltag eines viktorianischen Kindes

    Je nachdem, wo und in welcher Gesellschaftsschicht ein Kind geboren wurde, sah eine viktorianische Kindheit aus: Natürlich erging es den Kindern reicher Leute um einiges anders, als denen armer Leute und deshalb teile ich dieses Thema in zwei Einträge. Beginnen werde ich mit den Kindern wohlhabender Viktorianer aus dem gehobenen Bürgertum und des Adels. Vorweg muss gesagt werden, dass erst im Laufe des viktorianischen Zeitalters angedacht wurde, dass Kinder nicht einfach kleine Erwachsene sind, sondern eben Kinder mit eigenen Identitäten und eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen von der Welt. Erst in den Jahren zwischen 1837 und 1901 wurde der Spielzeugmarkt richtig angekurbelt und es gab Gesetze über die Kinderarbeit, die für…

  • Victoriana

    God´s Wonderful Railway – Zugfahren im viktorianischen Zeitalter

    Lokomotiven, Züge, Schienen, das fasziniert mich von jeher ein bisschen – und zwar am besten mit Dampf. Als ich zwölf war, stand ich fasziniert vor der alten Lok, die vor dem Braunschweiger Hauptbahnhof steht, und war immer hellauf begeistert, wenn in historischen Filmen mit der Eisenbahn gefahren wurde. Ich habe mittlerweile ein paar Verkehrsmuseen besucht, in denen Lokomotiven, Wagons und Straßenbahnen des 19. Jahrhunderts ausgestellt waren, und dann erst all die Romane über den Schienenbau im amerikanischen Westen und Reisen mit der Eisenbahn, von amerikanischen Waisenzügen hin zum Ausbau des Streckennetzes in Großbritannien. Brunel’s Wonderful Railway – Englands erstes Schienennetz Deshalb, und weil sie so ein wichtiger Bestandteil des technischen…

  • Gesellschaftliches

    Die Viktorianer und der Tod

    Auf den ersten Blick mögen uns die Trauerbräuche und Traditionen der Viktorianer rund um den Tod sehr makaber, wenn nicht sogar respektlos, erscheinen. Immer wieder lese ich, dass moderne Menschen den viktorianischen Umgang mit dem Tod als pietätlos empfinden und sich davor gruseln oder gar ekeln. Das hängt damit zusammen, dass wir heute einen ganz anderen Blick auf den Tod und das Sterben haben, als die Menschen vor noch rund hundert Jahren. Ich finde es schade, wenn das Verständnis für die Bräuche vergangener Gesellschaften fehlt und möchte euch deshalb heute die Hintergründe des viktorianischen Totenkults näherbringen. Das Haar der Toten – Bräuche und Traditionen Viktorianische Bestattungen sind gewaltig. Sie sind…

  • Victoriana

    London im Nebel – Die Folgen der neuen Industrie

    Es ist 1890 und zwischen den Häusern von London hängt ein Nebel, der so dicht ist, dass man die Hand nicht vor Augen sehen kann. Er hat eine ungesunde gelbliche Farbe und plötzlich fällt einem das Atmen schwer, ganz abgesehen davon, dass man gar nicht mehr sieht, wohin man überhaupt läuft. Es riecht nach Rauch und schwarzer Ruß verdreckt die Kleidung, frisst sich ganz besonders in hellen Stoff. Das ist der London Fog, oft verglichen mit Erbsensuppe, der die englische Hauptstadt im viktorianischen Zeitalter und zu Beginn des 20. Jahrhunderts oft heimgesucht hat. Dass es sich dabei um keinen normalen Nebel handelt, ist vielen gar nicht bewusst. Doch der London…

  • Mode

    Die Geschichte des Korsetts

    Um kaum ein Kleidungsstück ranken sich so viele Mythen und Gruselgeschichten, wie um das infame Korsett. Ob es von vorn herein in die Fetisch- oder Gothicszene eingeordnet, als mittelalterliches Folterinstrument betrachtet oder fest daran geglaubt wird, dass Korsetts einen in eine Ohnmacht sinken lassen oder sogar töten könnten. Selbst in beliebten populärwissenschaftlichen Dokumentationen werden die Fehlinformationen weitergetragen, selbst in ansonsten gut recherchierten historischen Romanen leiden Frauen unter dem Korsett und können nicht atmen. Und, das ist für viele eine Überraschung, das ist alles gar nicht wahr. Woher die Fehleinschätzungen kommen, ist schnell geklärt: Obwohl oft geglaubt wird, das Korsett sei ein Folterinstrument, in das Frauen von Männern gezwungen wurden, ist…

  • Mode

    Weshalb viktorianische Mode überhaupt nicht romantisch ist

    Als ich fünfzehn war, habe ich für ein Foto die Chance bekommen, in ein viktorianisches Kleid zu schlüpfen. Es war rosafarben und zum Ensemble gehörte eine große Krinoline. Das Kleid war im Stil der amerikanischen Bürgerkriegmode gehalten (wenn auch alles andere, als authentisch), mit weiten Röcken und kurzen Ärmeln, ein Abendkleid. Sie haben mir für das Foto kein Korsett oder authentische Unterwäsche gegeben, bloß die Sachen, die ich brauchte, damit das Foto halbwegs realistisch aussah. Also wurden mir die Krinoline angezogen, gestärkte Unterröcke, zu große Seidenhandschuhe und ein gigantischer Merry-Widow-Hut, der natürlich keinesfalls aus der Bürgerkriegszeit stammte, sondern eher aussah wie etwas, das späte Edwardianer getragen haben könnten. Die Krinoline…