• Persönlichkeiten

    Sada Yakko – Japans mutige Pionierin

    Am 18. Juli 1871 kommt in Tokio Koyama Sada zur Welt, eine Frau, die die japanische Theatergeschichte aufwirbeln sollte, wie keine andere. Sada war das jüngste von zwölf Kindern und stammte aus einer Familie von Ladenbesitzern, die unter anderem eine Buchhandlung und eine Wechselstube besaß. Ihr Großvater war ein bekannter Beamter, ihre Mutter soll eine wahre Schönheit gewesen sein und hatte als junge Frau sogar für einen daimyo, einen Feudalherren, gearbeitet, wo sie das adelige Leben kennen und lieben lernte. Sadas Vater wurde wegen seiner ruhigen Natur auch „Bhudda“ genannt. Sada stammte aus einer recht wohlhabenden Familie, doch während der Inflation, die auf die hohen Restaurationskosten während der Meiji-Ära folgte,…

  • Belle Époque

    Japonismus – Ein Stück Japan in Europa?

    Seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts machte ein neuer Stil in Europa von sich reden: Zuerst sprach man vom anglo-japanischen Stil, wenn Dekorationsgegenstände und Möbel in den Heimen hochgestellter Viktorianer plötzlich von japanischer Kunst, Kultur und Ästhetik inspiriert schienen, ab den 1870ern fasste ein neuer Begriff Fuß, der bis heute verwendet wird: Japonismus. Nicht nur in der britischen, auch in der europäischen Kunst schlägt sich der ostasiatische Einfluss nieder, besonders in Frankreich. Gerade im Impressionismus liebt man das Plakative der japanischen Kunst, die klaren einfachen Linien und starken Farben. Doch wie genau beeinflusste der Japonismus die viktorianische Gesellschaft? Und was bleibt uns davon bis heute erhalten? Die Meiji-Restauration – Woher…

  • Belle Époque

    Franz Reichelt – Der fliegende Schneider

    Heute soll es um eine der wohl spektakulärsten Tragödien der späten Belle Époque gehen – Franz Reichelts Sprung vom Eiffelturm, der auf uns heute mehr als befremdlich wirken mag. Auf den ersten Blick ist der missglückte Sprung ein weiteres Beispiel dafür, wie der Durst nach Fortschritt des neunzehnten Jahrhunderts zu Beginn des zwanzigsten langsam vergeht, auf den zweiten für einige wohl pure Dummheit, hinter der jedoch viel mehr steckt, als es zuerst den Anschein hat. Am vierten Februar 1912 steigt der 33-jährige Franz Reichelt, ein österreichischer Schneider und Konstrukteur von Fallschirmen, in einen eigenartigen Fledermausanzug gekleidet den Eiffelturm hinauf. Sein Fallschirm gilt als untauglich, widerspricht allen Regeln der Physik und…

  • Persönlichkeiten

    Oscar Wilde und wie wir ihn verstehen

    Eine Biographie des legendären Oscar Wilde gibt es hier noch nicht und das hat mehrere Gründe. Zum einen ist Wilde so bekannt, dass man sehr leicht sehr viel über ihn herausfinden kann und ihr mich dafür eigentlich nicht braucht. Zum zweiten war ich mir nicht sicher, wie ich einen meiner literarischen Helden hier auf dem Blog vorstellen soll. Nun habe ich mich entschieden und ich hoffe, ihr lernt aus diesem Artikel noch etwas, das man noch nicht überall gehört hat. Beginnen möchte ich mit einer Einführung dazu, wer Oscar Wilde überhaupt war. Dabei soll es um einige Fakten gehen, die ihr vielleicht noch nicht über ihn wusstet. Aber hauptsächlich geht…

  • Belle Époque

    America’s Darling – Gibson Girls und New Women

    Es ist 1901 und sie gilt als Idealbild der amerikanischen Frau. Junge Mädchen wollen so sein wie sie, junge Männer kommen aus dem Schwärmen nicht heraus und die Vertreter veralteter Moralvorstellungen sind entrüstet. Das Gibson Girl sorgt zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts für Wirbel in der Gesellschaft. Erst in Amerika, später auch in Europa. Sie ist ein Ideal, ein Wunschtraum, und verändert das Frauenbild zu Beginn des neuen Jahrhunderts im Sturm. Doch wer steckt hinter dem Gibson Girl? Das ist leicht beantwortet: Der amerikanische Zeichner und Satiriker Charles Dana Gibson, Spross einer Familie, die einige US-amerikanische Politiker hervorbrachte. Auch seine spätere Frau, Irene Langhorne, stammte aus einer Familie mit politischen…

  • Belle Époque

    New Years‘ Greetings! – Neujahr in der Belle Époque

    Es ist Silvester, der Abend vor Neujahr und ich nehme an viele von euch haben genau wie ich heute Abend etwas vor. Ob es Bleigießen und Knallbonbons mit Freunden ist oder ein großes Feuerwerk oder eine Tour durch Kneipen oder Clubs, ich hoffe, ihr alle habt viel Spaß und rutscht gut ins neue Jahr. Auch im viktorianischen England wurde das neue Jahr durch eine große Feier und gewisse Bräuche eingeleitet, die teilweise bis heute nachreichen. Und, wie die meisten Leser wahrscheinlich schon ahnen, einiges davon haben wir Queen Victoria selbst zu verdanken. Silvester selbst wird bereits gefeiert, seit unter Julius Cäsar die Kalender angepasst wurden, als man den Jahresbeginn vom 1.…

  • Gesellschaftliches

    Ganz schön haarig – Von Zuckerpaste, Gillette & Schönheitsidealen

    Eine Frage, die immer wieder aufkommt und anscheinend viele Leute beschäftigt, ist die Frage nach kosmetischer Haarentfernung im viktorianischen Zeitalter. Heutzutage ist es fast schon ein gesellschaftlicher Zwang Achsel- und Beinbehaarung als Frau oder weiblich gelesene Person zu entfernen. Wer es nicht tut, wird schief angesehen, obwohl es eigentlich jedem selbst überlassen sein sollte, was er mit seinem eigenen Körper macht. Aber Haarentfernung ist unserer Gesellschaft bereits so in Fleisch und Blut übergegangen, dass es regelrecht erwartet wird. Doch war das immer so? Wenn man über Vorlieben und Praktiken in verschiedenen Epochen spricht, melden sich immer wieder Leute zu Wort, die behaupten, was Menschen attraktiv finden, hätte sich niemals geändert…

  • Mode

    Mode 1900: Vom Stundenglas zur schlanken Figur

    Und schon ist es soweit: Dies ist der vorletzte Teil meiner Reihe zur Damenmode des langen neunzehnten Jahrhunderts und der Belle Époque. Gleichzeitig ist es sicherlich einer der Spannendsten. Denn bereits in den 1890er Jahren kommt Bewegung in die Modewelt. Die Frauenbewegung, um genau zu sein. Der Einfluss von Politik und Gesellschaft auf Damenmode ist immer gegeben, aber selten so prägnant, wie in den 1900er Jahren, ein Umstand, den ihr sicherlich gleich selbst bemerken werdet. Die 1900er an sich sind ein bewegter Zeitabschnitt: Mit dem Tod der Königin Victoria im Jahr 1901 wird die edwardianische Ära eingeleitet, eine neue, modernere Zeit, aber auch die Zeit von Krise, Krieg und Umwälzungen.…

  • Victoriana

    Zwischen Pflicht und Freude – Eine viktorianische Jugend

    Die 1950er Jahre sind die Geburt des Teenagers. Der Beginn von Jugendkultur und der Jugend an sich, das erfährt man, wenn man sich ein wenig mit der Thematik auseinandersetzt. Parties, Spaß und das Feiern des Jungseins stehen nun im Mittelpunkt der Leben junger Menschen zwischen 15 und 20. Aber was ist eigentlich mit den jungen Leuten, die vor dem großen Umbruch nach dem zweiten Weltkrieg zwischen 12 und 20 Jahren alt waren? Gab es den „viktorianischen Teenager“? Und wenn nicht, welche Stellung hatte ein junger Mensch innerhalb der viktorianischen Gesellschaft? Dieser interessanten Frage möchte ich heute nachgehen, nachdem mich eine Leserin auf das Thema gebracht hat. Wie kann man sich…

  • Belle Époque

    Memento Mori – Der Totenkult der Belle Époque

    Die Belle Époque und der Tod. Ein schier endloses Thema, über das ich hier auf dem Blog bereits das ein oder andere Mal berichtet habe. Wer unvorbereitet auf die Menschen des Fin de Siècle und ihren Umgang mit dem Tod und dem Sterben trifft, der wird sich vielleicht wundern oder die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts vielleicht sogar für unheimlich oder makaber halten. Ich habe mich auch lange gesträubt den damaligen Umgang mit dem Tod zu verstehen, was wohl größtenteils daran liegt, dass er so komplett anders aussieht, als unser moderner Umgang mit dem Sterben. Ein Bild, das mir seit Jahren nicht mehr aus dem Kopf will, ist eine Fotografie, die…