• Victoriana

    My Dear Watson? – Oscar Wilde, Sir Arthur Conan Doyle & die Sexualität des Sherlock Holmes

    Oh, Sherlock Holmes. Du und ich, das ist eine lange Geschichte und sie ist ein bisschen holprig. Ich bin, wie viele andere auch, mit Sherlock Holmes aufgewachsen. Als Kind habe ich die Granada-Filme mit Jeremy Brett gesehen, später dann selbst die Originalgeschichten des schottischen Autoren Sir Arthur Conan Doyle gelesen, dann natürlich die PC-Spiele, die Guy-Ritchie-Filme, nicht zuletzt BBC Sherlock. Ich war im Baker-Street-Museum in London und eine Weile lang beinahe besessen von Sherlock Holmes. Das hat sich mit der Zeit jedoch gelegt, denn das Sherlock-Revival der 2000er Jahre mit seinen unzähligen Neuerzählungen in Serien-, Film-, und Romanform hat mich müde gemacht. Geblieben ist jedoch die Faszination mit der Metaebene,…

  • Gesellschaftliches

    [Blogtour] Dare Not Speak Its Name – Queere Identität im historischen Roman

    Im historischen Roman sind LGBTQ-Figuren leider noch immer eine Seltenheit. Autoren wie Diana Gabaldon, Floortje Zwigtman und Jan Gillou machen zwar vor, dass es auch anders geht, doch für viele Autoren von Romanen mit historischem Setting scheint es noch undenkbar zu sein Figuren einzubauen, die wir heute der LGBTQ Community zuordnen würden. Im Rahmen von Meara Finnegans Blogtour mit dem Thema „Phantastische Realität“ (Nachtrag 2018: Das Blog ist leider mittlerweile offline, aber alle Stationen der Blogtour könnt ihr bei Elea Brandt noch nachlesen) möchte ich mich heute mit der Aufarbeitung queerer Geschichte im historischen Roman beschäftigen, sowie mit den historischen Hintergründen und warum es gerade im historischen Roman wichtig ist,…

  • Belle Époque

    Der Fall Gouffé – Ein Medienspektakel der Belle Époque

    Am 26. Juli 1889 wird der Gerichtsdiener Toussaint-Augustin Gouffé aus Montmartre vermisst gemeldet. Am 15. August desselben Jahres wird weit weg von Paris, in Vernaison bei Lyon, ein großer Stoffbeutel unter einem Busch am Straßenrand gefunden. Darin befindet sich die Leiche eines Mannes. Im November kann der Arzt Alexandre Lacassagne mithilfe von Haarproben und eines brandneuen forensischen Vorgehens mit Sicherheit feststellen, dass es sich bei dem Toten um den vermissten Gouffé handelt. Der Mann aus Paris wurde erdrosselt. Doch was ist passiert? Wer hat Gouffé ermordet und wie kam seine Leiche von Paris bis nach Lyon?

  • Mode

    Mode 1910: Zwischen Krieg & Korsett

    Die 1910er sind ein bewegtes Jahrzehnt. Sie beenden die Belle Époque, sie beenden das edwardianische Zeitalter, sie beenden das deutsche Kaiserreich und die Ära der Romanows in Russland. Der politische und gesellschaftliche Umbruch, auf den Europa schon seit einigen Jahrzehnten zuschlittert, kommt plötzlich und verändert innerhalb weniger Jahre die Welt komplett. Im Jahr 1912 sinkt die Titanic und reißt rund 1500 Menschen mit sich in die Tiefe. Zwei Jahre später wird in Sarajevo der österreichische Thronfolger erschossen. Der erste Weltkrieg beginnt und dauert von 1914 – 1918, ein Krieg, wie er vorher noch nie dagewesen war. 1916 leitet das Easter Rising die Unabhänigkeit Irlands von Westminster ein. 1917 beendet die Oktoberrevolution…

  • Persönlichkeiten

    Colette – Die Chronistin der Belle Époque

    Sidonie-Gabrielle Colette, viel besser bekannt als Colette, war eine der einflussreichsten französischen Schriftstellerinnen der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre Karriere als Autorin erreicht ihren Höhepunkt in den 1920er Jahren, 1948 wurde sie sogar für den Nobelpreis in Literatur nominiert. Diese Zeit in Colettes Leben werde ich natürlich auch behandeln, doch wie ihr sicherlich bereits bemerkt habt, ist das die Epoche nach der Belle Époque, also nicht das Hauptaugenmerk des Gaiety Girls. Allerdings war Colette auch während der Belle Époque kein unbekannter Name. Denn der Mythos Colette beginnt bereits im fin de siècle auf den Pariser Varietébühnen auf ganz andere Weise, als man es für eine gefeierte Schriftstellerin annehmen möchte.…

  • Persönlichkeiten

    Lily Elsie – Londons hellster Stern

    Am achten April 1886 kommt in Armley, das heute zu Leeds in Yorkshire gehört, ein Mädchen namens Elsie Hodder zur Welt. Sie ist die uneheliche Tochter der Schneiderin Elisabeth Hodder, die gleichzeitig ein Gasthaus führt. Im Jahr 1891 bekommt Elsie einen Vater: Ihre Mutter heiratet William Cotton, der in einem Theater als „Gepäckmann“ angestellt ist – also jemand, der auf die Habseligkeiten der im Theater arbeitenden Leute acht gibt und dafür sorgt, das immer alles zur richtigen Zeit am richtigen Fleck ist. Elsie selbst ist sehr schüchtern, tritt jedoch trotzdem bald als Kinderstar in Manchester in Music Halls auf. Anscheinend kam Elsie, die als „Little Elsie“ in kurzen, meist lustigen…

  • Persönlichkeiten

    Maude Adams – Das Mädchen, das Peter Pan wurde

    Maude Adams kommt am elften November 1872 als Maude Ewing Adams Kiskadden in Salt Lake City zur Welt. Sie ist die Tochter der Schauspielerin Annie Adams, deren Familie schon mit der Mayflower nach Amerika gekommen war, und des schottischstämmigen James Kiskadden, der in einer Bank arbeitete und verstarb, als Maude noch sehr klein war. Auf der Seite ihrer Mutter stammt Maude aus einer mormonischen Familie, wobei nicht geklärt ist, ob Maude selbst mit der Religion aufgewachsen ist. Nach eigenen Angaben war ihr Vater nicht religiös. Schon als Kind war Maude auf der Bühne zu sehen: Obwohl ihr Vater dagegen war, nahm ihre Mutter Maude oft mit und bald stand Maude…

  • Persönlichkeiten

    Sada Yakko – Japans mutige Pionierin

    Am 18. Juli 1871 kommt in Tokio Koyama Sada zur Welt, eine Frau, die die japanische Theatergeschichte aufwirbeln sollte, wie keine andere. Sada war das jüngste von zwölf Kindern und stammte aus einer Familie von Ladenbesitzern, die unter anderem eine Buchhandlung und eine Wechselstube besaß. Ihr Großvater war ein bekannter Beamter, ihre Mutter soll eine wahre Schönheit gewesen sein und hatte als junge Frau sogar für einen daimyo, einen Feudalherren, gearbeitet, wo sie das adelige Leben kennen und lieben lernte. Sadas Vater wurde wegen seiner ruhigen Natur auch „Bhudda“ genannt. Sada stammte aus einer recht wohlhabenden Familie, doch während der Inflation, die auf die hohen Restaurationskosten während der Meiji-Ära folgte,…

  • Belle Époque

    Japonismus – Ein Stück Japan in Europa?

    Seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts machte ein neuer Stil in Europa von sich reden: Zuerst sprach man vom anglo-japanischen Stil, wenn Dekorationsgegenstände und Möbel in den Heimen hochgestellter Viktorianer plötzlich von japanischer Kunst, Kultur und Ästhetik inspiriert schienen, ab den 1870ern fasste ein neuer Begriff Fuß, der bis heute verwendet wird: Japonismus. Nicht nur in der britischen, auch in der europäischen Kunst schlägt sich der ostasiatische Einfluss nieder, besonders in Frankreich. Gerade im Impressionismus liebt man das Plakative der japanischen Kunst, die klaren einfachen Linien und starken Farben. Doch wie genau beeinflusste der Japonismus die viktorianische Gesellschaft? Und was bleibt uns davon bis heute erhalten? Die Meiji-Restauration – Woher…

  • Persönlichkeiten

    Aubrey Beardsley – Das Gesicht von Ästhetik und Art Nouveau

    Heute soll es um einen ganz besonderen Viktorianer gehen und zwar um einen, der mir selbst sehr am Herzen liegt. Ich stelle euch heute nicht einen meiner Lieblingsmaler und -zeichner vor, sondern den Lieblingszeichner. Aubrey Beardsley, einen der wichtigsten Vertreter der viktorianischen Ästhetikbewegung, die unter anderem durch Oscar Wilde große Bedeutung erlangte. Besonders hier in Deutschland ist der Name Aubrey Beardsley leider sehr unbekannt, doch Beardsley war nicht nur ein begabter Zeichner und Autor, sondern auch ein wichtiger Einfluss für den Jugendstil und den Japonismus. Eine kurze Karriere – Sechs Jahre und eine lange Wirkung  Geboren wurde Aubrey Vincent Beardsley am 21. August 1872 in Brighton an der südenglischen Küste. Er…