• Persönlichkeiten

    Queering History: Dr. James Barry, historische Queerness & wie wir damit umgehen

    Im Moment sorgt ein neues Romanprojekt der amerikanischen Autorin E.J. Levy für Furore. Leider nicht aus positiven Gründen, denn in ihrem Roman geht es um Dr. James Barry. Levy behaupet, Barry sei eine Frau gewesen, die sich als Mann ausgegeben hätte um den strengen Geschlechterrollen des viktorianischen Englands zu entgehen. Sie stellt ihren Roman, der im Publikumsverlag Little, Brown erscheinen soll, als eine Art feministisches Manifesto über die erste britische weibliche Ärztin dar. Doch das ist hochgradig problematisch, denn James Barry war ein trans Mann und Levys Herangehensweise ist Transphobie. Queere Geschichte, terf-Rhetorik und Erasure Was in der englischsprachigen Buchwelt im Moment für Furore sorgt, ist bei uns noch nicht…

  • Victoriana

    My Dear Watson? – Oscar Wilde, Sir Arthur Conan Doyle & die Sexualität des Sherlock Holmes

    Oh, Sherlock Holmes. Du und ich, das ist eine lange Geschichte und sie ist ein bisschen holprig. Ich bin, wie viele andere auch, mit Sherlock Holmes aufgewachsen. Als Kind habe ich die Granada-Filme mit Jeremy Brett gesehen, später dann selbst die Originalgeschichten des schottischen Autoren Sir Arthur Conan Doyle gelesen, dann natürlich die PC-Spiele, die Guy-Ritchie-Filme, nicht zuletzt BBC Sherlock. Ich war im Baker-Street-Museum in London und eine Weile lang beinahe besessen von Sherlock Holmes. Das hat sich mit der Zeit jedoch gelegt, denn das Sherlock-Revival der 2000er Jahre mit seinen unzähligen Neuerzählungen in Serien-, Film-, und Romanform hat mich müde gemacht. Geblieben ist jedoch die Faszination mit der Metaebene,…

  • Gesellschaftliches

    [Blogtour] Dare Not Speak Its Name – Queere Identität im historischen Roman

    Im historischen Roman sind LGBTQ-Figuren leider noch immer eine Seltenheit. Autoren wie Diana Gabaldon, Floortje Zwigtman und Jan Gillou machen zwar vor, dass es auch anders geht, doch für viele Autoren von Romanen mit historischem Setting scheint es noch undenkbar zu sein Figuren einzubauen, die wir heute der LGBTQ Community zuordnen würden. Im Rahmen von Meara Finnegans Blogtour mit dem Thema „Phantastische Realität“ (Nachtrag 2018: Das Blog ist leider mittlerweile offline, aber alle Stationen der Blogtour könnt ihr bei Elea Brandt noch nachlesen) möchte ich mich heute mit der Aufarbeitung queerer Geschichte im historischen Roman beschäftigen, sowie mit den historischen Hintergründen und warum es gerade im historischen Roman wichtig ist,…

  • Persönlichkeiten

    Colette – Die Chronistin der Belle Époque

    Sidonie-Gabrielle Colette, viel besser bekannt als Colette, war eine der einflussreichsten französischen Schriftstellerinnen der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre Karriere als Autorin erreicht ihren Höhepunkt in den 1920er Jahren, 1948 wurde sie sogar für den Nobelpreis in Literatur nominiert. Diese Zeit in Colettes Leben werde ich natürlich auch behandeln, doch wie ihr sicherlich bereits bemerkt habt, ist das die Epoche nach der Belle Époque, also nicht das Hauptaugenmerk des Gaiety Girls. Allerdings war Colette auch während der Belle Époque kein unbekannter Name. Denn der Mythos Colette beginnt bereits im fin de siècle auf den Pariser Varietébühnen auf ganz andere Weise, als man es für eine gefeierte Schriftstellerin annehmen möchte.…

  • Persönlichkeiten

    Maude Adams – Das Mädchen, das Peter Pan wurde

    Maude Adams kommt am elften November 1872 als Maude Ewing Adams Kiskadden in Salt Lake City zur Welt. Sie ist die Tochter der Schauspielerin Annie Adams, deren Familie schon mit der Mayflower nach Amerika gekommen war, und des schottischstämmigen James Kiskadden, der in einer Bank arbeitete und verstarb, als Maude noch sehr klein war. Auf der Seite ihrer Mutter stammt Maude aus einer mormonischen Familie, wobei nicht geklärt ist, ob Maude selbst mit der Religion aufgewachsen ist. Nach eigenen Angaben war ihr Vater nicht religiös. Schon als Kind war Maude auf der Bühne zu sehen: Obwohl ihr Vater dagegen war, nahm ihre Mutter Maude oft mit und bald stand Maude…

  • Persönlichkeiten

    Der Märchenkönig – Ludwig II. von Bayern

    Dieses Blog befasst sich sehr viel mit britischer Geschichte, ein wenig mit französischer, ein wenig mit japanischer und amerikanischer. Für mich liegt es im Moment jedoch auf der Hand, das Blog auch auf die Geschehnisse in Deutschland und Österreich auszuweiten, um einen vielfältigen Überblick über das lange neunzehnte Jahrhundert geben zu können. Beginnen möchte ich daher mit einer der wohl tragischsten Figuren des neunzehnten Jahrhunderts: König Ludwig II. von Bayern. Einige kennen ihn vielleicht aus dem Film, der vor ein paar Jahren über ihn gedreht wurde. Meine Meinung zu dem Film behalte ich lieber für mich, sie fällt nämlich nicht besonders gut aus. Dahinter steckt jedoch eine interessante Geschichte. Der…

  • Persönlichkeiten

    Oscar Wilde und wie wir ihn verstehen

    Eine Biographie des legendären Oscar Wilde gibt es hier noch nicht und das hat mehrere Gründe. Zum einen ist Wilde so bekannt, dass man sehr leicht sehr viel über ihn herausfinden kann und ihr mich dafür eigentlich nicht braucht. Zum zweiten war ich mir nicht sicher, wie ich einen meiner literarischen Helden hier auf dem Blog vorstellen soll. Nun habe ich mich entschieden und ich hoffe, ihr lernt aus diesem Artikel noch etwas, das man noch nicht überall gehört hat. Beginnen möchte ich mit einer Einführung dazu, wer Oscar Wilde überhaupt war. Dabei soll es um einige Fakten gehen, die ihr vielleicht noch nicht über ihn wusstet. Aber hauptsächlich geht…

  • Persönlichkeiten

    Fanny, Stella & die viktorianische Gesellschaft

    Vor einem knappen Jahr habe ich bereits einmal Queerness im viktorianischen Zeitalter umrissen und euch den Cleveland-Street-Skandal näher gebracht. Dass das Thema längst nicht komplett behandelt ist, dürfte niemanden wundern. Heute möchte ich über Fanny und Stella sprechen, zwei junge Menschen, die den allerersten Skandal zum Thema Queerness auslösten und den Stein somit in den 1870ern unfreiwillig ins Rollen brachten. Die Geschichte von Fanny und Stella und die daraus entstandenen Entwicklungen sind so spannend wie tragisch und sollten jedem, der das viktorianische London interessant findet, ein Begriff sein. Doch wer versteckt sich überhaupt hinter diesen beiden Namen? Bei Stella handelt es sich um Thomas Ernest Boulton, den Sohn* eines Börsenmarklers.…

  • Gesellschaftliches

    Queere Identität im viktorianischen Zeitalter

    Queere Identität und Sexualität sind nicht bloß heute ein Thema, das immer wieder im Mittelpunkt von Diskussionen und Diskurs steht. Sie waren es schon immer. Schaut man zurück in die britische Geschichte, stellt man fest, dass homosexuelle Handlungen in Großbritannien noch bis 1835 mit dem Tod bestraft wurden. Für den Kontext: Das ist dasselbe Jahr, in dem Charles Darwin auf der MS Beagle ablegt, dasselbe Jahr, in dem die erste Eisenbahn auf dem europäischen Kontinent fuhr, dasselbe Jahr, in dem die ersten Fotografien entstanden. Das beginnende viktorianische Zeitalter ist eine Zeit voller Fortschritt und Neuerungen, jedoch auch voll von Jahrhunderte alter Unterdrückung und Vorurteilen. Und das sind Stigmata, die uns…