• Victoriana

    My Dear Watson? – Oscar Wilde, Sir Arthur Conan Doyle & die Sexualität des Sherlock Holmes

    Oh, Sherlock Holmes. Du und ich, das ist eine lange Geschichte und sie ist ein bisschen holprig. Ich bin, wie viele andere auch, mit Sherlock Holmes aufgewachsen. Als Kind habe ich die Granada-Filme mit Jeremy Brett gesehen, später dann selbst die Originalgeschichten des schottischen Autoren Sir Arthur Conan Doyle gelesen, dann natürlich die PC-Spiele, die Guy-Ritchie-Filme, nicht zuletzt BBC Sherlock. Ich war im Baker-Street-Museum in London und eine Weile lang beinahe besessen von Sherlock Holmes. Das hat sich mit der Zeit jedoch gelegt, denn das Sherlock-Revival der 2000er Jahre mit seinen unzähligen Neuerzählungen in Serien-, Film-, und Romanform hat mich müde gemacht. Geblieben ist jedoch die Faszination mit der Metaebene,…

  • Victoriana

    Von Opium & Tight-Lacing: 5 viktorianische Mythen

    Es gibt sie in allen Ausführungen, Formen und Farben: Mythen zum viktorianischen Zeitalter. Und, wie ihr vielleicht wisst, räume ich genau mit denen liebend gern auf. Das war meine Motivation hinter „Gaiety Girl“, ganz am Anfang, und ich mache es immer noch gern. Denn diese Mythen sind nicht etwa etwas, das nur von Laien weitergetragen wird. Sie begegnen uns unter anderem in doch ordentlich recherchierten Romanen und Filmen, manchmal sogar in Literatur von Historikern, aber eben doch am Allerhäufigsten im Internet. Die Sache ist die: Manche Mythen gibt es bereits so lange, dass sie schwer vom historischen Fakt zu unterscheiden sind. Auf manche bin ich auch selbst schon reingefallen, besonders…

  • Persönlichkeiten

    Lily Elsie – Londons hellster Stern

    Am achten April 1886 kommt in Armley, das heute zu Leeds in Yorkshire gehört, ein Mädchen namens Elsie Hodder zur Welt. Sie ist die uneheliche Tochter der Schneiderin Elisabeth Hodder, die gleichzeitig ein Gasthaus führt. Im Jahr 1891 bekommt Elsie einen Vater: Ihre Mutter heiratet William Cotton, der in einem Theater als „Gepäckmann“ angestellt ist – also jemand, der auf die Habseligkeiten der im Theater arbeitenden Leute acht gibt und dafür sorgt, das immer alles zur richtigen Zeit am richtigen Fleck ist. Elsie selbst ist sehr schüchtern, tritt jedoch trotzdem bald als Kinderstar in Manchester in Music Halls auf. Anscheinend kam Elsie, die als „Little Elsie“ in kurzen, meist lustigen…

  • Persönlichkeiten

    Aubrey Beardsley – Das Gesicht von Ästhetik und Art Nouveau

    Heute soll es um einen ganz besonderen Viktorianer gehen und zwar um einen, der mir selbst sehr am Herzen liegt. Ich stelle euch heute nicht einen meiner Lieblingsmaler und -zeichner vor, sondern den Lieblingszeichner. Aubrey Beardsley, einen der wichtigsten Vertreter der viktorianischen Ästhetikbewegung, die unter anderem durch Oscar Wilde große Bedeutung erlangte. Besonders hier in Deutschland ist der Name Aubrey Beardsley leider sehr unbekannt, doch Beardsley war nicht nur ein begabter Zeichner und Autor, sondern auch ein wichtiger Einfluss für den Jugendstil und den Japonismus. Eine kurze Karriere – Sechs Jahre und eine lange Wirkung  Geboren wurde Aubrey Vincent Beardsley am 21. August 1872 in Brighton an der südenglischen Küste. Er…

  • Victoriana

    Pteridomanie – Ein viktorianischer Trend

    „Eure Töchter vielleicht sind der vorherrschenden Pteridomanie verfallen und streiten über unaussprechliche Namen der Spezien (die in jedem neuen Farn-Buch, das sie kaufen, anders zu lauten scheinen) – und trotzdem könnt ihr nicht abstreiten, dass ihnen das gefällt, dass sie deswegen aktiver sind und fröhlicher, sich selbst öfter vergessen als über Romane, Tratsch, das Häkeln oder Stickwolle.“ Das schreibt Charles Kingsley 1855 in seinem Buch „Glaucus“ und gibt dem Kind einem Namen. Pteridomanie. Es gibt kaum einen Trend des viktorianischen Zeitalters, der bizarrer erscheint oder weniger nachvollziehbarer als die Liebe zu Farnen. Doch alles hat einen Grund und auch dieser Trend ist völlig erklärbar. Ins Grüne – Botanik im frühen…

  • Victoriana

    Vater Themse und der große Gestank

    In einem Ruderboot fährt der Tod über die völlig verschmutzte Themse und sammelt die Leben derjenigen ein, die nicht dafür bezahlen wollten, den Fluss säubern zu lassen. So stellt das Punch-Magazin eins der größten Probleme dar, die das viktorianische London zu bewältigen hatte: Sommer, 1858. Alles, was nicht mehr gewollt ist, landet in der Themse. Nicht nur Unrat und Waschwasser und das Kanalisationssystem mündeten in die Themse. Nein, auch die Fabriken leiten ihr Abwasser in den Fluss, Metzger entsorgen hier verdorbenes Fleisch, Knochen und unbrauchbare Reste, Färber nutzen die Themse als großes Auffangbecken und so manch ungewollter Verstorbener fand seine letzte Ruhestädte im Fluss von London. Allerdings ist das Flusswasser…

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    Oscar Wilde und wie wir ihn verstehen

    Eine Biographie des legendären Oscar Wilde gibt es hier noch nicht und das hat mehrere Gründe. Zum einen ist Wilde so bekannt, dass man sehr leicht sehr viel über ihn herausfinden kann und ihr mich dafür eigentlich nicht braucht. Zum zweiten war ich mir nicht sicher, wie ich einen meiner literarischen Helden hier auf dem Blog vorstellen soll. Nun habe ich mich entschieden und ich hoffe, ihr lernt aus diesem Artikel noch etwas, das man noch nicht überall gehört hat. Beginnen möchte ich mit einer Einführung dazu, wer Oscar Wilde überhaupt war. Dabei soll es um einige Fakten gehen, die ihr vielleicht noch nicht über ihn wusstet. Aber hauptsächlich geht…

  • Victoriana

    Geld im viktorianischen England

    Heute soll es noch einmal um ein Thema gehen, dass sich jemand gewünscht hat: Die Währung und den Umgang mit Geld im viktorianischen England. Die englische Währung der viktorianischen Jahre war, genau wie heute auch noch, Pound Sterling, das berühmte englische Pfund. Doch es gab viel mehr Münzen als heute, schließlich geschah die Umstellung auf das Dezimalsystem erst 1971 und Geld sah auch noch etwas anders aus, als wir es heute gewohnt sind. Ich möchte euch heute nicht bloß die Währung des neunzehnten Jahrhunderts erklären, sondern auch ein wenig etwas zum Wert der Dinge erzählen. Was waren verschiedene Güter wert und wie viel kosteten Kleidung, Lebensmittel und andere notwendige Dinge?…

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    Fanny, Stella & die viktorianische Gesellschaft

    Vor einem knappen Jahr habe ich bereits einmal Queerness im viktorianischen Zeitalter umrissen und euch den Cleveland-Street-Skandal näher gebracht. Dass das Thema längst nicht komplett behandelt ist, dürfte niemanden wundern. Heute möchte ich über Fanny und Stella sprechen, zwei junge Menschen, die den allerersten Skandal zum Thema Queerness auslösten und den Stein somit in den 1870ern unfreiwillig ins Rollen brachten. Die Geschichte von Fanny und Stella und die daraus entstandenen Entwicklungen sind so spannend wie tragisch und sollten jedem, der das viktorianische London interessant findet, ein Begriff sein. Doch wer versteckt sich überhaupt hinter diesen beiden Namen? Bei Stella handelt es sich um Thomas Ernest Boulton, den Sohn* eines Börsenmarklers.…

  • Victoriana

    Wer war Jack the Ripper?: Die ewige Frage

    Ein Artikel über Jack the Ripper war längst überfällig. Ich dachte eigentlich, zu ihm muss ich nichts schreiben, schließlich kennt jeder seine Geschichte, doch immer wieder stoße ich auf Leute mit sagen wir interessantem Halbwissen, denen der Name etwas sagt, aber nicht die Geschichte dahinter. Außerdem ist kein Blog, der das späte neunzehnte Jahrhundert in England behandelt, vollständig ohne den größten Kriminalfall des Jahrhunderts. Ich möchte aber nicht bloß nacherzählen. Mir geht es darum, einige Mythen und Klischees rund um das Thema Jack the Ripper aufzuklären und der Gruselgeschichte, die jeder kennt, den historischen Hintergrund zu geben. Der Name „Jack the Ripper“ zum Beispiel taucht in den Untersuchungsunterlagen des Falles…