• Persönlichkeiten

    Maude Adams – Das Mädchen, das Peter Pan wurde

    Maude Adams kommt am elften November 1872 als Maude Ewing Adams Kiskadden in Salt Lake City zur Welt. Sie ist die Tochter der Schauspielerin Annie Adams, deren Familie schon mit der Mayflower nach Amerika gekommen war, und des schottischstämmigen James Kiskadden, der in einer Bank arbeitete und verstarb, als Maude noch sehr klein war. Auf der Seite ihrer Mutter stammt Maude aus einer mormonischen Familie, wobei nicht geklärt ist, ob Maude selbst mit der Religion aufgewachsen ist. Nach eigenen Angaben war ihr Vater nicht religiös. Schon als Kind war Maude auf der Bühne zu sehen: Obwohl ihr Vater dagegen war, nahm ihre Mutter Maude oft mit und bald stand Maude…

  • Gesellschaftliches

    Fancy Dress – Viktorianische Kostümbälle

    Eine Leserin hat sich einen Artikel zu viktorianischen Kostümbällen gewünscht und natürlich konnte ich dem Thema nicht widerstehen. Hier fließt viktorianische Gesellschaft einmal mehr mit Modegeschichte zusammen und heraus kommt ein Trend, der im neunzehnten Jahrhundert in der westlichen Welt fast überall geliebt und gefeiert wurde. Allerdings wurde sich nicht nur für Kostüm- oder Maskenbälle verkleidet. Viktorianer verkleideten sich auch für Fototermine oder für Familienfeiern, Soirées oder um im privaten Rahmen kleine Theaterstücke aufzuführen. Das Verkleiden war nicht bloß eine Art der Unterhaltung für Menschen, die weder Fernseher noch Computer kannten, sondern obendrauf für viele Viktorianer ein Weg, ihrem streng geregelten Alltag zu entkommen. Als Fledermaus oder Barockdame verkleidet musste…

  • Persönlichkeiten

    Im Schatten von Jesse James – Der Feigling Robert Ford?

    Vor fast zwei Jahren berichtete ich bereits einmal über Jesse James, den Helden des Wilden Westens, und Robert Ford, den Mann, der ihn erschossen hat. Damals sagte ich, dass ich mir zu Robert Ford keine Meinung bilden könnte und auf das Thema ein andermal zurückkommen würde. Ich habe dafür länger gebraucht, als ich eigentlich gedacht hatte, aber heute möchte ich mich endlich mit Bob Ford beschäftigen, dem Feigling Robert Ford, wie er in die amerikanische Geschichte eingegangen ist. Wer war Bob Ford? Wieso erschoss er Jesse James und war er wirklich der Feigling, als der er in Amerika heute gilt? Robert Newton Ford wurde am 8. Dezember 1861 im Ray…

  • Victoriana

    Barnums großer Coup – Die Meerjungfrau von Fiji

    Sie ist hässlich, mysteriös und angeblich eine richtige Meerjungfrau: 1822 kauft der Kapitän Samuel Barrett Edes von japanischen Seemännern für ein kleines Vermögen den mumifizierten Körper einer Meerjungfrau. Meerjungfrauen waren schon seit Jahrhunderten Bestandteil eines jeden guten Kuriositätenkabinetts, doch diese Meerjungfrau war anders: Sie hatte ein abscheuliches Gesicht, war viel kleiner als ein Mensch und – haarig. Edes stellte sie in seiner privaten Sammlung ab 1822 in London aus. Doch die große Berühmtheit der Meerjungfrau folgte erst zwanzig Jahre später – Samuel Barrett Edes vermachte die kuriose Mumie seinem Sohn, der sie an Moses Kimball verkaufte, der sie im Jahr 1842 mit nach New York nahm. Der Streich des Jahrzehnts…

  • Persönlichkeiten

    Die Fox-Schwestern und viktorianischer Spiritismus

    Um die Jahrhundertwende herum war der Spiritismus aus den großen Städten nicht mehr wegzudenken. In London verdienten Medien mit Séancen ihr Geld, in Paris gab es Cafés mit Thema Tod und Geister, auch in New York wurden Geister beschwört. Dass die Viktorianer durch ihre Liebe zu makaberen Themen und Praktiken oft als ein wenig makaber und düster betrachtet werden, ist nicht verwunderlich, aber etwas, dass sich durch ein wenig Verständnis für die Epoche erklären lässt. Wer sich vor dem Artikel zum amerikanischen Spiritismus ein wenig mehr mit dem Thema Tod und Spiritismus im viktorianischen Zeitalter auseinander setzen möchte, kann natürlich gern erst einmal nachlesen. Hier gibt es einen Artikel zu Tod und…

  • Belle Époque

    America’s Darling – Gibson Girls und New Women

    Es ist 1901 und sie gilt als Idealbild der amerikanischen Frau. Junge Mädchen wollen so sein wie sie, junge Männer kommen aus dem Schwärmen nicht heraus und die Vertreter veralteter Moralvorstellungen sind entrüstet. Das Gibson Girl sorgt zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts für Wirbel in der Gesellschaft. Erst in Amerika, später auch in Europa. Sie ist ein Ideal, ein Wunschtraum, und verändert das Frauenbild zu Beginn des neuen Jahrhunderts im Sturm. Doch wer steckt hinter dem Gibson Girl? Das ist leicht beantwortet: Der amerikanische Zeichner und Satiriker Charles Dana Gibson, Spross einer Familie, die einige US-amerikanische Politiker hervorbrachte. Auch seine spätere Frau, Irene Langhorne, stammte aus einer Familie mit politischen…

  • Belle Époque

    New Years‘ Greetings! – Neujahr in der Belle Époque

    Es ist Silvester, der Abend vor Neujahr und ich nehme an viele von euch haben genau wie ich heute Abend etwas vor. Ob es Bleigießen und Knallbonbons mit Freunden ist oder ein großes Feuerwerk oder eine Tour durch Kneipen oder Clubs, ich hoffe, ihr alle habt viel Spaß und rutscht gut ins neue Jahr. Auch im viktorianischen England wurde das neue Jahr durch eine große Feier und gewisse Bräuche eingeleitet, die teilweise bis heute nachreichen. Und, wie die meisten Leser wahrscheinlich schon ahnen, einiges davon haben wir Queen Victoria selbst zu verdanken. Silvester selbst wird bereits gefeiert, seit unter Julius Cäsar die Kalender angepasst wurden, als man den Jahresbeginn vom 1.…

  • Victoriana

    Geisterfotografie – Das Geschäft mit Tod und Trauer

    In den 1860er Jahren arbeitet ein gewisser William H. Mumler in Boston bei einem Juwelier als Graveur. In seiner Freizeit fotografiert er. Eines Nachmittages entwickelt er ein Selbstportrait, als er bemerkt, dass er nicht allein auf dem Bild ist. Im Hintergrund lungert ein weißer Schemen herum – das Abbild seines vor bereits zwölf Jahren verstorbenen Cousins. Mumler braucht nicht lang um zu verstehen, was passiert ist: Die Platte, die er für sein Portrait benutzt hat, ist doppelt belichtet worden. Eine völlig einleuchtende Erklärung, doch Mumler ahnt, dass nicht alle Menschen so viel über Fotografie wissen, wie er selbst. Er entdeckt eine Marktlücke. William kündigt seine Arbeit, beginnt als Medium zu…

  • Persönlichkeiten

    Evelyn Nesbit: Das Mädchen auf der roten Samtschaukel

    [CW: Sexueller Missbrauch] Am ersten Weihnachtstag des Jahres 1884 kam Florence Evelyn Nesbit in Pennsylvania zur Welt. Angeblich. Denn bereits hier beginnt der Mythos Evelyn Nesbit. In welchem Jahr genau sie geboren wurde ist nicht bekannt, denn anscheinend hat Evelyns Mutter ihre Tochter manchmal als älter ausgegeben, um die strikten Regeln der Kinderarbeit zu umgehen. Evelyn selbst hat dies schon zu Lebzeiten zugegeben, doch wie alt sie wirklich war, war immer ihr Geheimnis, falls sie es überhaupt selbst wusste. Doch wer ist eigentlich Evelyn Nesbit? Sie war die Tochter von schottisch-irischen Einwanderern und hatte zudem einen Anwalt zum Vater, der den Regeln der viktorianischen Gesellschaft gar nichts abgewinnen konnte. Er…