• Persönlichkeiten

    Queering History: Dr. James Barry, historische Queerness & wie wir damit umgehen

    Im Moment sorgt ein neues Romanprojekt der amerikanischen Autorin E.J. Levy für Furore. Leider nicht aus positiven Gründen, denn in ihrem Roman geht es um Dr. James Barry. Levy behaupet, Barry sei eine Frau gewesen, die sich als Mann ausgegeben hätte um den strengen Geschlechterrollen des viktorianischen Englands zu entgehen. Sie stellt ihren Roman, der im Publikumsverlag Little, Brown erscheinen soll, als eine Art feministisches Manifesto über die erste britische weibliche Ärztin dar. Doch das ist hochgradig problematisch, denn James Barry war ein trans Mann und Levys Herangehensweise ist Transphobie. Queere Geschichte, terf-Rhetorik und Erasure Was in der englischsprachigen Buchwelt im Moment für Furore sorgt, ist bei uns noch nicht…

  • Persönlichkeiten

    Effie Gray – Das Liebesdrama des Jahrhunderts

    Am zehnten April des Jahres 1848 heiratet John Ruskin, angesehener Kunstkritiker, Schriftsteller und Künstler des frühen viktorianischen Englands, die neun Jahre jüngere Euphemia Gray, die Tochter eines Freundes seiner Familie. Euphemia, kurz Effie, war keine Fremde für Ruskin. Tatsächlich schrieb er seinen Roman „Der König des Goldstroms“, ein Kunstmärchen, für die damals zwölfjährige Effie. Die Heirat aber war nicht Ruskins eigene Idee, sondern wurde den beiden von Familie und Freunden nahegelegt, da man durch die enge Bindung zwischen den beiden davon ausging, dass sie ein gutes Paar abgeben würden. Effie war an ihrem Hochzeitstag zwanzig Jahre alt, John Ruskin bereits neunundzwanzig. Inwieweit die beiden Partien glücklich mit der Entscheidung zu…

  • Mode

    Kindermoden – Vom Kilt bis zum Korsett

    Letztens habe ich auf Facebook den Vorschlag bekommen, mal einen richtigen Artikel über Kindermoden zu schreiben und diese Idee hat mir sehr gefallen. Was Kinder im neunzehnten Jahrhundert getragen haben, habe ich schon an den verschiedensten Stellen erwähnt, zum Beispiel in meinem Post zum Leben wohlhabender, viktorianischer Kinder, doch einen richtigen eigenen Artikel, der alles zusammenfasst, gibt es noch nicht. Damit möchte ich mich also heute beschäftigen. Das Konzept der Kindheit  Denn das neunzehnte Jahrhundert bildet einen richtigen Wendepunkt, was Kindermode angeht. Noch zu Beginn des Jahrhunderts trugen Kinder ungefähr dasselbe, wie Erwachsene, bloß kleinere Ausgaben davon, die mehr Bewegungsfreiheit erlauben. Das hängt zum großen Teil damit zusammen, dass das…

  • Gesellschaftliches

    Fancy Dress – Viktorianische Kostümbälle

    Eine Leserin hat sich einen Artikel zu viktorianischen Kostümbällen gewünscht und natürlich konnte ich dem Thema nicht widerstehen. Hier fließt viktorianische Gesellschaft einmal mehr mit Modegeschichte zusammen und heraus kommt ein Trend, der im neunzehnten Jahrhundert in der westlichen Welt fast überall geliebt und gefeiert wurde. Allerdings wurde sich nicht nur für Kostüm- oder Maskenbälle verkleidet. Viktorianer verkleideten sich auch für Fototermine oder für Familienfeiern, Soirées oder um im privaten Rahmen kleine Theaterstücke aufzuführen. Das Verkleiden war nicht bloß eine Art der Unterhaltung für Menschen, die weder Fernseher noch Computer kannten, sondern obendrauf für viele Viktorianer ein Weg, ihrem streng geregelten Alltag zu entkommen. Als Fledermaus oder Barockdame verkleidet musste…

  • Victoriana

    Post Mortem – Viktorianische Totenbilder und wie man sie erkennt

    Leider ist Halloween mittlerweile rum und ich habe nicht die Zeit gefunden euch mit (auf den ersten Blick) makaberen oder sogar gruseligen Informationen zum viktorianischen Zeitalter zu versorgen wie letztes Jahr. Heute gibt es daher einen etwas düsteren Artikel, inspiriert von einem Artikel im Internet (Buzzeed is at it again), der mit so vielen Klischees und Unwahrheiten gespickt ist, dass ich euch gern näher bringen möchte, wie es wirklich aussah. Es geht um viktorianische Post-Mortem-Fotografie. Was das ist, habe ich nebenbei in anderen Artikeln schon erwähnt, doch einen richtigen Artikel zu diesem Phänomen gibt es noch nicht. Post-Mortem-Fotografie ist ein großteils viktorianisches Phänomen. Fotografien, die seit den 1840er Jahren in…

  • Belle Époque

    Japonismus – Ein Stück Japan in Europa?

    Seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts machte ein neuer Stil in Europa von sich reden: Zuerst sprach man vom anglo-japanischen Stil, wenn Dekorationsgegenstände und Möbel in den Heimen hochgestellter Viktorianer plötzlich von japanischer Kunst, Kultur und Ästhetik inspiriert schienen, ab den 1870ern fasste ein neuer Begriff Fuß, der bis heute verwendet wird: Japonismus. Nicht nur in der britischen, auch in der europäischen Kunst schlägt sich der ostasiatische Einfluss nieder, besonders in Frankreich. Gerade im Impressionismus liebt man das Plakative der japanischen Kunst, die klaren einfachen Linien und starken Farben. Doch wie genau beeinflusste der Japonismus die viktorianische Gesellschaft? Und was bleibt uns davon bis heute erhalten? Die Meiji-Restauration – Woher…

  • Persönlichkeiten

    Aubrey Beardsley – Das Gesicht von Ästhetik und Art Nouveau

    Heute soll es um einen ganz besonderen Viktorianer gehen und zwar um einen, der mir selbst sehr am Herzen liegt. Ich stelle euch heute nicht einen meiner Lieblingsmaler und -zeichner vor, sondern den Lieblingszeichner. Aubrey Beardsley, einen der wichtigsten Vertreter der viktorianischen Ästhetikbewegung, die unter anderem durch Oscar Wilde große Bedeutung erlangte. Besonders hier in Deutschland ist der Name Aubrey Beardsley leider sehr unbekannt, doch Beardsley war nicht nur ein begabter Zeichner und Autor, sondern auch ein wichtiger Einfluss für den Jugendstil und den Japonismus. Eine kurze Karriere – Sechs Jahre und eine lange Wirkung  Geboren wurde Aubrey Vincent Beardsley am 21. August 1872 in Brighton an der südenglischen Küste. Er…

  • Persönlichkeiten

    Emily Brontë – Über verregnete dunkle Moore

    Die Brontë-Schwestern dürften als wohl bekannteste weibliche Autorinnen in die Geschichte des viktorianischen Zeitalters eingegangen sein. Charlotte, Emily und Anne schrieben Schauerromane, die viktorianische Leser.innen nicht bloß begeisterten, sondern auch schockierten. Ich möchte in den folgenden Wochen auch zu Branwell, Charlotte und Anne Brontë eigene Biographien hochladen, doch heute soll es um die Schwester gehen, die einen meiner absoluten Lieblingsromane geschrieben hat: Emily Brontë und ihre „Sturmhöhe“. Über die Person Emily Brontë ist nicht viel bekannt. Sie lebte sehr zurückgezogen und genoss die Einsamkeit, hatte wenige Freunde und verbrachte ihre Zeit lieber mit dem Schreiben, als mit anderen Menschen. Zeitgenossen nannten sie furchtbar schüchtern und still, doch sie liebte die Moore…

  • Mode

    Bademode im Wandel der Zeit

    Mit Beginn der Bade- und Kurkultur beginnt auch das Interesse der Menschen am Meer als Erholungs- und Badeort. Zu Verdanken haben die Menschen des frühen neunzehnten Jahrhunderts ihre Badeurlaube der Erfindung der Eisenbahn, die die Menschen schnell und für die damaligen Verhältnisse einigermaßen bequem aus dem stickigen London in die Badeorte, wie Bath oder Brighton, beförderte. Der typische Strandurlaub, einzig und allein zur Erholung gedacht, war geboren. Und hierzu brauchte es eigene Mode und eine eigene Etikette. Das frühe neunzehnte Jahrhundert – Viel Stoff am Strand  Man schmiss sich natürlich nicht direkt am Strand in die schmissigen Badeanzüge (Das Wortspiel tut mir nicht leid). Wer sich ein wenig für die…

  • Persönlichkeiten

    Im Schatten von Jesse James – Der Feigling Robert Ford?

    Vor fast zwei Jahren berichtete ich bereits einmal über Jesse James, den Helden des Wilden Westens, und Robert Ford, den Mann, der ihn erschossen hat. Damals sagte ich, dass ich mir zu Robert Ford keine Meinung bilden könnte und auf das Thema ein andermal zurückkommen würde. Ich habe dafür länger gebraucht, als ich eigentlich gedacht hatte, aber heute möchte ich mich endlich mit Bob Ford beschäftigen, dem Feigling Robert Ford, wie er in die amerikanische Geschichte eingegangen ist. Wer war Bob Ford? Wieso erschoss er Jesse James und war er wirklich der Feigling, als der er in Amerika heute gilt? Robert Newton Ford wurde am 8. Dezember 1861 im Ray…