• Gesellschaftliches

    Der Tanz in den Mai

    Fast jede antike Kultur kannte eine Frühlingsfeier, die im April oder Mai begangen wurde, um den Sommer einzuleiten. Ich möchte mir heute gern genauer ansehen, aus welchen Traditionen sich moderne Maifeierlichkeiten entwickelt haben und natürlich, wie die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts den Beginn der warmen Jahreszeit gefeiert haben. Heute ist der Maitanz in vielen Regionen der westlichen Welt Tradition: Hier bei uns im Harzgebiet feiern wir am 30. April die Walpurgisnacht, in der sich die Hexen auf dem Brocken mit dem Teufel vermählen und dann, wenn die Kirchturmglocken Mitternacht schlagen, von der Maikönigin vertrieben werden. Am 1. Mai werden hier und in anderen Regionen Deutschlands Maibäume aufgestellt, um die herum…

  • Victoriana

    Pteridomanie – Ein viktorianischer Trend

    „Eure Töchter vielleicht sind der vorherrschenden Pteridomanie verfallen und streiten über unaussprechliche Namen der Spezien (die in jedem neuen Farn-Buch, das sie kaufen, anders zu lauten scheinen) – und trotzdem könnt ihr nicht abstreiten, dass ihnen das gefällt, dass sie deswegen aktiver sind und fröhlicher, sich selbst öfter vergessen als über Romane, Tratsch, das Häkeln oder Stickwolle.“ Das schreibt Charles Kingsley 1855 in seinem Buch „Glaucus“ und gibt dem Kind einem Namen. Pteridomanie. Es gibt kaum einen Trend des viktorianischen Zeitalters, der bizarrer erscheint oder weniger nachvollziehbarer als die Liebe zu Farnen. Doch alles hat einen Grund und auch dieser Trend ist völlig erklärbar. Ins Grüne – Botanik im frühen…

  • Victoriana

    Barnums großer Coup – Die Meerjungfrau von Fiji

    Sie ist hässlich, mysteriös und angeblich eine richtige Meerjungfrau: 1822 kauft der Kapitän Samuel Barrett Edes von japanischen Seemännern für ein kleines Vermögen den mumifizierten Körper einer Meerjungfrau. Meerjungfrauen waren schon seit Jahrhunderten Bestandteil eines jeden guten Kuriositätenkabinetts, doch diese Meerjungfrau war anders: Sie hatte ein abscheuliches Gesicht, war viel kleiner als ein Mensch und – haarig. Edes stellte sie in seiner privaten Sammlung ab 1822 in London aus. Doch die große Berühmtheit der Meerjungfrau folgte erst zwanzig Jahre später – Samuel Barrett Edes vermachte die kuriose Mumie seinem Sohn, der sie an Moses Kimball verkaufte, der sie im Jahr 1842 mit nach New York nahm. Der Streich des Jahrzehnts…

  • Victoriana

    Vater Themse und der große Gestank

    In einem Ruderboot fährt der Tod über die völlig verschmutzte Themse und sammelt die Leben derjenigen ein, die nicht dafür bezahlen wollten, den Fluss säubern zu lassen. So stellt das Punch-Magazin eins der größten Probleme dar, die das viktorianische London zu bewältigen hatte: Sommer, 1858. Alles, was nicht mehr gewollt ist, landet in der Themse. Nicht nur Unrat und Waschwasser und das Kanalisationssystem mündeten in die Themse. Nein, auch die Fabriken leiten ihr Abwasser in den Fluss, Metzger entsorgen hier verdorbenes Fleisch, Knochen und unbrauchbare Reste, Färber nutzen die Themse als großes Auffangbecken und so manch ungewollter Verstorbener fand seine letzte Ruhestädte im Fluss von London. Allerdings ist das Flusswasser…

  • Persönlichkeiten

    Oscar Wilde und wie wir ihn verstehen

    Eine Biographie des legendären Oscar Wilde gibt es hier noch nicht und das hat mehrere Gründe. Zum einen ist Wilde so bekannt, dass man sehr leicht sehr viel über ihn herausfinden kann und ihr mich dafür eigentlich nicht braucht. Zum zweiten war ich mir nicht sicher, wie ich einen meiner literarischen Helden hier auf dem Blog vorstellen soll. Nun habe ich mich entschieden und ich hoffe, ihr lernt aus diesem Artikel noch etwas, das man noch nicht überall gehört hat. Beginnen möchte ich mit einer Einführung dazu, wer Oscar Wilde überhaupt war. Dabei soll es um einige Fakten gehen, die ihr vielleicht noch nicht über ihn wusstet. Aber hauptsächlich geht…

  • Victoriana

    Laudanum, Opium und Sherlock Holmes – Drogenmissbrauch im viktorianischen England

    [Content Warning: Drogenmissbrauch] Sherlock Holmes, der Held der berühmten Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle, war den Drogen nicht abgeneigt. Das ist ein allgemein bekannter Fakt, der in einigen modernen Adaptionen der Geschichte auch behandelt wird. In der Geschichte „The Sign of Four“ fragt Doctor John Watson den Meisterdetektiv sogar, ob er heute Morphin oder Kokain nehmen möchte. Holmes mag für unseren modernen Begriff harte Drogen genommen haben, um seinen Geist wach zu halten. Es gibt viele moderne Spekulationen darüber woher denn Sherlock Holmes solch illegale Drogen beschafft hat und ob am Ende Sir Arthur Conan Doyle selbst drogenabhängig war. Deshalb habe ich mich heute entschlossen, einen Artikel zu bringen,…

  • Victoriana

    Geld im viktorianischen England

    Heute soll es noch einmal um ein Thema gehen, dass sich jemand gewünscht hat: Die Währung und den Umgang mit Geld im viktorianischen England. Die englische Währung der viktorianischen Jahre war, genau wie heute auch noch, Pound Sterling, das berühmte englische Pfund. Doch es gab viel mehr Münzen als heute, schließlich geschah die Umstellung auf das Dezimalsystem erst 1971 und Geld sah auch noch etwas anders aus, als wir es heute gewohnt sind. Ich möchte euch heute nicht bloß die Währung des neunzehnten Jahrhunderts erklären, sondern auch ein wenig etwas zum Wert der Dinge erzählen. Was waren verschiedene Güter wert und wie viel kosteten Kleidung, Lebensmittel und andere notwendige Dinge?…

  • Mode

    Underthings I – Die Unterwäsche viktorianischer Damen

    Mode der Belle Époque ist hier auf Gaiety Girl immer ein Thema. Das liegt zum einen daran, dass ich selbst Modegeschichte ungeheuer spannend finde. Zum anderen möchte ich hier ein umfassendes Bild über das lange neunzehnte Jahrhundert zeichnen und dazu gehören nicht nur politische und gesellschaftliche Ereignisse, sondern natürlich auch die Mode. Und was gehört alles zur Mode? Ich habe über das Korsett gesprochen, über die verschiedenen Stile der verschiedenen Jahrzehnte, über die Garderobe einer Dame des fin de siècle und ein wenig über Anti-Fashion im neunzehnten Jahrhundert. Heute möchte ich die Garderobe komplett machen, denn es soll um viktorianische und edwardianische Unterwäsche gehen. Was die Dame von Welt trug,…

  • Persönlichkeiten

    Fanny, Stella & die viktorianische Gesellschaft

    Vor einem knappen Jahr habe ich bereits einmal Queerness im viktorianischen Zeitalter umrissen und euch den Cleveland-Street-Skandal näher gebracht. Dass das Thema längst nicht komplett behandelt ist, dürfte niemanden wundern. Heute möchte ich über Fanny und Stella sprechen, zwei junge Menschen, die den allerersten Skandal zum Thema Queerness auslösten und den Stein somit in den 1870ern unfreiwillig ins Rollen brachten. Die Geschichte von Fanny und Stella und die daraus entstandenen Entwicklungen sind so spannend wie tragisch und sollten jedem, der das viktorianische London interessant findet, ein Begriff sein. Doch wer versteckt sich überhaupt hinter diesen beiden Namen? Bei Stella handelt es sich um Thomas Ernest Boulton, den Sohn* eines Börsenmarklers.…

  • Persönlichkeiten

    Die Fox-Schwestern und viktorianischer Spiritismus

    Um die Jahrhundertwende herum war der Spiritismus aus den großen Städten nicht mehr wegzudenken. In London verdienten Medien mit Séancen ihr Geld, in Paris gab es Cafés mit Thema Tod und Geister, auch in New York wurden Geister beschwört. Dass die Viktorianer durch ihre Liebe zu makaberen Themen und Praktiken oft als ein wenig makaber und düster betrachtet werden, ist nicht verwunderlich, aber etwas, dass sich durch ein wenig Verständnis für die Epoche erklären lässt. Wer sich vor dem Artikel zum amerikanischen Spiritismus ein wenig mehr mit dem Thema Tod und Spiritismus im viktorianischen Zeitalter auseinander setzen möchte, kann natürlich gern erst einmal nachlesen. Hier gibt es einen Artikel zu Tod und…